Praxisgemeinschaft für
Sprach- und Lerntherapie

 

Sprachtherapie

Sprachtherapie ist für Menschen jeden Alters gedacht und wird nach ärztlicher oder sprachtherapeutischer Diagnostik individuell geplant und durchgeführt. Darüber hinaus hat sie zum Ziel, die Kommunikationsfähigkeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen:

- zu erweitern (z.B. durch Verbesserung der Artikulation, Erweiterung des passiven und aktiven   Wortschatzes, Differenzierung der Grammatik),
- zu festigen (z.B. durch Übertrag des Erlernten in Alltags- und Spontansituationen) oder
- zu erhalten (z.B. nach neurologischen Erkrankungen).

Sprachtherapie möchte immer, durch zielgerichtete und individuelle Inhalte, die bestmögliche Therapie für den Patienten ermöglichen. Dabei stellen die Motivation des Patienten, seine Freude am Sprechen und den neu erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Therapie dar.

Folgende Störungsbilder behandeln wir:


1. Sprachentwicklungsstörung:

jegliche Form der sprachlichen Beeinträchtigung oder Verzögerung, die eine regelrecht verlaufende kindliche Sprachentwicklung erschwert. Betroffen sein können: Artikulation, Grammatik, Wortschatz, Sprach- und Aufgabenverständnis, Sprachverarbeitung und -wahrnehmung, mundmotorische Fähigkeiten.


2. Dyslalie:

bezeichnet die Schwierigkeit bzw. Unfähigkeit, bestimmte Laute zu bilden, d.h., die Artikulation ist beeinträchtigt. Je nach Anzahl der Laute, die noch nicht gebildet werden können, unterscheidet man in 'partielle' Dyslalie (1-2 Laute sind betroffen), 'multiple' Dyslalie (mehr als 2 Laute können nicht begildet werden) und 'universeller' Dyslalie (ein Großteil der Laute ist betroffen).

Ursachen können in falschen oder fehlenden motorischen Mustern oder einer nicht intakten Hörfähigkeit liegen.

Häufig von Fehlbildungen betroffen sind die Laute: sch, s, z, k, g, ch1 und r.


3. Rhinophonie:

das 'Näseln' ist eine Stimmstörung, bei der der Mensch, den Luftstrom durch einen unzureichenden Abschluss des Nasen- und Mundraums, nicht lenken kann. Der Klang der Stimme ist nasal (wie bei einem Dauerschnupfen), die Artikulation ist undeutlich und klingt verwaschen. Eine Rhinophonie kann organische oder funktionelle Ursachen haben.


4. Dysgrammatismus:

bezeichnet eine Störung einer Teilleistung des kindlichen Spracherwerbs, der Grammatikentwicklung. Betroffen sind häufig: Pluralbildung, Verbstellung, Satzbildung und Verbbeugung. Häufig einhergehend mit dem Dysgrammatismus ist eine Ausdrucksschwäche, die sich darin äußert, dass komplexere Sachverhalte, Erlebnisse, Gefühle etc. nicht strukturiert oder verständlich erzählt werden können.


5. Zentral-auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen:

bezeichnen Einschränkungen bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Gehörtem, die nicht in der Beeinträchtigung des 'normalen' (peripheren) Hörens liegen.

Kinder und Jugendliche mit dieser Störung haben Probleme, Gehörtes aufzunehmen, zu speichern und zu wiederholen.

Hinweise sind oftmals schon im Kindergartenalter vorhanden, wenn Kinder nicht reimen oder sich Verse und Lieder nicht merken können.


6. Myofunktionelle Störungen:

durch ungleiche Spannungsverhältnisse innerhalb der Gesicht- und Mundmuskulatur, wird die Funktion der Muskeln des Mundes und des Gesichts beeinträchtigt bzw. gestört.

Infolge einer falschen Zungenlage kann es zu Ausspracheproblemen vor allem der Zischlaute (s, z, sch) kommen.

Mitbetroffen ist zumeist auch der Schluckakt, beim falschen Schlucken drücken die Zungenspitze und/oder die Zungenränder gegen oder zwischen die Zähne.

Aufgrund der bestehenden Mundmuskelschwäche kommt es häufig zur Mundatmung, die wiedeum die Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen erhöht.


7. Stottern:

ist eine Störung des Redeflusses, welche sich durch Wiederholen von Lauten, Silben oder ganzen Wörtern (klonisch) oder durch Blockieren des Sprechflusses (tonisch) zeigt. Ein länger anhaltendes Stottern kann zum Entwickeln von Sekundärsymptomen, z.B. Gesichtszucken, Husten, Vermeidungsverhalten etc. führen.

Davon zu unterscheiden ist ein sogenanntes 'Entwicklungsstottern', welches innerhalb der kindlichen Sprachentwicklung immer mal wieder auftreten kann und normal ist. Gemeint sind kurze Phasen nicht flüssigen Sprechens.


8. Poltern:

zählt ebenfalls zu den Redeflussstörungen und zeigt sich in einem überhasteten, unregelmäßigen Sprechen, wodurch das Sprechen geradezu unverständlich wird. Es werden Silben verschluckt bzw. weggelassen oder vertauscht. Menschen mit dieser Störung fehlt die Selbstwahrnehmung und -steuerung für ihre Sprechweise.


9. Aphasie:

bedeutet vom Ursprung her „ohne Sprache“ und wird als Sprachverlust nach einer neurologischen Erkrankung, z.B. Schlaganfall, Schädelhirntrauma etc. verstanden. Zum Sprachverlust kommt es aufgrund einer Läsion der linken Gehirnhälfte.

Die Aphasie ist eine Sprachstörung nach Abschluss des Spracherwerbs und betrifft die verschiedenen Bereiche: Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben unterschiedlich stark. Je nach Schweregrad unterscheidet man: amnestische bzw. motorische Aphasie, Broca-Aphasie, Wernicke-Aphasie oder die Globale Aphasie.


10. Dysarthrie:

wird verursacht durch die Schädigung des Gehirns bzw. der Hirnnerven durch neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Schädelhirntrauma, Parkinson-Syndrom etc. Beeinträchtigt sein können die Sprechmotorik, die Phonation und die Sprechatmung. Das Sprechen ist dadurch für den Patienten sehr anstrengend. Die Artikulation ist undeutlich, die Sprachverarbeitung und -produktion sind nicht betroffen.


11. Dysphonie:

man unterscheidet die funktionelle und die organische Stimmstörung (bzw. Dysphonie). Die Störungen der Stimme äußern sich z.B. in einem heiseren oder gepressten Stimmklang. Die Stimme kann nicht mehr variabel eingesetzt werden und ist beeinträchtigt oder verändert in: Lautstärke, Klangfarbe, Tonhöhe oder Tonhaltedauer.

Ursachen einer funtionellen Stimmstörung liegen zumeist in einem erhöhten Stimmdruck und einer länger andauernden Überbeanspruchung der Stimme. Dadurch kann es zur Knötchenbildung auf den Stimmlippen, zu Stimmbandpolypen und ebenso zum vorübergehenden Stimmverlust kommen.

Organische Stimmstörungen entstehen z.B. durch Tumoren, Kehlkopffehlbildungen, hormonelle Erkrankungen, Stimmlippenlähmungen nach Operationen.


12. Mutismus:

bedeutet Stummheit. Es handelt sich um ein, durch soziale Ängste ausgelöstes, psychogenes Schweigen und äußert sich als eine Kommunikationsstörung, obwohl die Person eine abgeschlossene Sprachentwicklung durchlaufen hat.

Die häufigste Form ist der selektive Mutismus, der sich in einem beharrlichen Schweigen eines Menschen in spezifischen sozialen Situationen (z.B. Kindergarten und Schule) gegenüber bestimmten Personen, die nicht zum näheren Familienkreis gehören (z.B. Erzieher, Lehrer, Nachbar), zeigt.